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Wieso ich mit der Sense mähe (Gerhard)

Ursprünglich mähte mein Papa mit der Sense das Grünfutter für unsere Pferde, meistens Luzerne, um damit Geld zu sparen. Meine Eltern hatten eine kleine Bäckerei in einem Vorort, und die Pferde haben sie sich vom Munde abgespart. Papa war ein Egerländer, der 1946 im Alter von 15 Jahren mit 70kg Gepäck pro Nase nach Westdeutschland kam. Er erzählte mir von meinem Großvater, den ich nie gekannt hatte. Er war Bergmann mit Nebenerwerbs-Landwirtschaft. Die Arbeit wurde meistens händisch erledigt, außer einer Dreschmaschine gab es keine weiteren Geräte. Und die Dreschmaschine wurde noch mit einem Göpel angetrieben. Den Göpel hielt eine Kuh in Bewegung, so lange man genug schlagende Argumente hatte. Wenn Heu gemäht werden sollte, mit der Sense natürlich, bekam jeder seine Reihe. War die Reihe zu Ende gemäht, konnte man vorne schon anfangen, das Heu zu wenden. Das Mähen damals war anstrengend, denn die Sense war stumpf. Dengeln konnte Papa nicht, er war noch zu jung, als man den Hof verlassen musste. Der Vater einer Freundin hatte mir damals erklärt was Dengeln eigentlich war. Anhand dieser theoretischen Informationen habe ich es einfach mal ausprobiert, Werkzeug fand ich in der Werkstatt. Dann ging es etwas besser, obwohl ich später nichts mehr nachvollziehen konnte. Irgendwann kam mal eine Motorsense ins Haus, ich weiß nicht mehr, ob Papa die gekauft hatte, oder ob sie dem Reitverein gehörte. Sie besaß eine große Scheibe mit rechteckigen Zähnen dran. Der Krach, den der Motor machte, war noch das Beste an dem Teil. Gemäht habe ich ungefähr zweimal damit, das erste und das letzte Mal. Die zähen Halme der Luzerne haben sich regelmäßig um die Scheibe gewickelt, und die Maschine blockiert. Ich habe diese Höllenmaschine nie wieder angefasst.

Das Wiederaufleben

Als wir unser Haus in Rheinhessen kauften, war die Scheune wichtig. Ich baute dort meinen eigenen Pferdestall mit zwei Boxen ein. Als ich mein erstes eigenes Pferd kaufte, war es bald nicht mehr alleine, eine Nachbarin stellte ihren Haflinger dazu. Um Geld zu sparen, wie Papa, fing ich an, Grünfutter mit der Sense zu mähen. Wieder mehr schlecht als recht, Dengeln war halt nicht. Ich kaufte mir eine Dengelmaschine, so ein kurioses Teil, wie ein Kugellager. Das taugte keinen Schuss Pulver, war bald auch kaputt und ist rasch auf dem Schrott gelandet. Bald war unser erstes Pferd Geschichte, ein zweites gekauft. Als Mama starb wurde vom Erbteil ein Traktor angeschafft. Ein Fendt GT mit der Pritsche vorne sollte es sein, denn für einen Anhänger war kein Platz. Allerdings besaß der (noch) keinen Mähbalken, was sich auch als problematisch herausstellte. Das Mähen mit der Sense sollte also wieder aufleben. Irgendwann las ich im Reisejournal der Wochenendausgabe unserer Zeitung vom „Österreichischen Sensenverein“. Auf dessen Homepage fand ich einen Link zum „Deutschen Sensenverein“ und der erste Dengelkurs war umgehend gebucht. Es war zwar eine Fahrt von 120km einfach, hat sich aber gelohnt. Auf dem Biohof kaufte ich direkt meinen Sensenbaum aus Holz, bis dahin hatte ich mit einem Metallbaum gearbeitet. Seitdem weiß ich auch, was eine scharfe Sense ausmacht. Ich schoss mir damals bei einem bekannten Online-Auktionshaus ein 95cm langes Sensenblatt für 15,00€. Wenn es nichts taugt, ist es zumindest eine schöne Deko, dachte ich mir. Als das Blatt ankam, war es frisch gedengelt und scharf wie ein Rasiermesser. Damit mähte sich das Futter fast von alleine. Mein Sensenlehrer, dem ich ein Foto mailte, schwärmte von der Marke. Ich suchte nach der gleichen Marke, und wurde bei 65cm neuwertig fündig. Dass ich es erst noch dengeln musste, war kein Hindernis mehr. Zusammen mit Schlagdengler, Dengelamboss und dem alten, aber guten Dengelhammer vom Nachbarn war ich jetzt ganz gut ausgerüstet.

Erfahrungen und Erlebnisse

Bevor ich gut dengeln konnte, tat ich mich schwer dabei, meinen Koppelzaun sauber zu mähen. Ich dachte sogar darüber nach, mir einen Freischneider zu kaufen. So einen mit Faden, mit dem ich um die Zaunpfosten mähen konnte. Das gut gedengelte 65cm-Blatt machte dem Gedanken an den Freischneider rasch ein Ende. Die knapp 150 Meter Koppelzaun mit Pfosten etwa alle 4 Meter waren in 2 Stunden nicht nur gemäht, sondern auch auf die Pritsche geladen zum Füttern. Es sollte ja nichts umkommen. Ein schönes Erlebnis mit dem Mähen hatte ich vor langer Zeit bei einer Art „Selbstfindungs-Lehrgang“, bei dem es der Mutterfirma um „Vision und Führung“ ging. Neben so spaßigen Sachen wie in einer Reihe blind durch den Wald robben sollten wir auch mit der Sense mähen. Das sei „meditativ“ sagte uns einer der Kursleiter. Man sei konzentriert auf die Mähbewegung und könne so besser kontemplieren. Man solle sich morgens auf der Wiese einfinden, wo uns der Hausmeister des Hotels das Mähen beibringen werde. Wir waren alle pünktlich auf der Wiese, wir Kursteilnehmer, der Kursleiter, die Sense, nur der Hausmeister glänzte durch Abwesenheit. Der Kollege aus unserer Tochterfirma wusste leider, dass ich des Mähens mit der Sense mächtig war. Also musste ich den Kursteilnehmern das Mähen beibringen. Ich weiß nicht mehr, wie kontemplativ das gewesen war. An das „meditativ-kontemplative Mähen“ wurde ich wieder erinnert, als ich eines Sonntags früh Futter mähen war. Es sollte ein heißer Frühsommertag werden. Deshalb war ich sehr früh unterwegs, um der Hitze zu entgehen. Auf der nahen Landstraße war kein Auto unterwegs. Bis auf die Singvögel und dem Schneidgeräusch der Sense war nichts zu hören. Das Gras war noch nass vom Tau, so dass es sich mit der recht frisch gedengelten Sense fast von selbst schnitt. Nach einer müden halben Stunde war die Zweitagesration für die zwei Pferde auf der Pritsche. Das Gefühl danach war unbeschreiblich